IoT Plattformen: Make or Buy

Die Digitalisierung kommt langsam aber sicher auch in den großen deutschen Firmen an: sowohl im Mittelstand wie auch im Enterprise-Umfeld.

Für die meisten Firmen bedeutet die Digitalisierung nicht nur die eigenen Prozesse papierlos abzubilden, sondern auch Hardware anzubinden, Informationen zu sammeln und Prozesse übergreifend über Konnektivität umzusetzen: das IoT Umfeld kommt ins Spiel.

Egal ob für den Endkunden (IoT, B2C) oder oder für das industrielle Umfeld (IIoT, B2B): IoT-Plattformen werden evaluiert - respektive gibt es auch immer mehr Anbieter in diesem Umfeld.

Doch welche Plattform passt eigentlich für den jeweiligen Fall - was sind potentielle Vorteile, was Nachteile - und was die Konsequenzen

Wer bin ich?

Überlegen Sie sich grundsätzlich die Frage:

  • Wer bin ich und was ist mein Ziel?

Die Frage, wer Sie sind, ist entscheidend für den Weg, den Sie gehen können - auch langfristig.

  • Sind sie nur interessiert, wie IoT funktioniert?
  • Möchten Sie eine Insellösung für einen bestimmten Use Case?
  • Möchten Sie sich selbst Digitalisieren?
  • Möchten Sie ein Plattformanbieter sein und selbst die volle Kontrolle über Ihre Daten haben?
  • Möchten Sie ein Partner Ihrer Kunden sein?

Datenhoheit

Das absolute A und O jeder Digitalisierung sind die Daten.

Auf Daten beruht jede Informationsbeschaffung, jede Aktivität und letzten Endes auch die Ausrichtung des Unternehmens.

75% aller Daten werden auf der Edge-Seite erzeugt - also nicht in der Cloud, sondern zB. in einer Fabrik, an einem Standort oder eben auf dem Firmengelände bzw. den lokalen Firmenräumlichkeiten - und 94% der Daten sind unberührt oder gehen verloren (Quelle: HPE).

Der Fokus jeder Entscheidung sollte daher auch unbedingt folgende Fragen abdecken und für Sie positiv zu beantworten sein:

  • Wie komme ich an die Daten?
  • Wem gehören diese Daten?
  • Wie kann ich die Daten nach meinem Bedarf verarbeiten?

Erweiterbarkeit

Sind die ersten Schritte in die digitale Welt hinter einem, und man kann solangsam mit den Business Usecases anfangen, werden sich sehr schnell neue Herausforderungen, Anforderungen, Geschäftsmodelle und Ideen bilden - so zeigt es meine Erfahrung und auch die Erfahrung vieler Maschinenbauer. Aber dies ist ganz normal in der digitalen Welt und kein IoT-spezifisches Phänomen.

Bedenken Sie also bei Ihrer Entscheidung, dass Sie einen Löungsweg gehen, der Ihnen, Ihrem Geschäfts und Ihren Kunden keinen potentiellen Stein in den Weg legt.
Lernen Sie von großen IT Unternehmen Ideen und Anforderungen schnell auf den Weg zu bringen - es muss nicht sofort die perfekte Lösung sein; aber seien Sie schneller als die anderen!

Die Qual der Wahl

Stand heute haben Sie im Großen und Ganzen drei Möglichkeiten, die drei unterschiedliche Auswirkungen haben - kurzfristig und auch langfristig.

Sie können auf Fertiglösungen setzen, die vor allem im Maschinenbau die letzten Jahre aus dem Boden geschossen sind.
Oft sind dies Spin-Offs bzw. Zusammenschlüsse mehrere Unternehmen oder kleine Startups, die hoffen auf Basis von Synergien die Entwicklungskosten zu teilen bzw. auf potentielle Kunden abwälzen zu können.

Prinzipiell ist das ein positives Vorhaben, da u.a. die Hoffnung steigt, dass gemeinsame Standards geschaffen werden können, die im Maschinenbau auch bitter notwendig sind.

Nicht selten sieht jedoch die Realität oft so aus, dass das Marketing wirklich einen guten Job gemacht hat und Fertiglösungen zwar schnell die ersten Ergebnisse liefern - doch langfristige Vorhaben und deren Potenziale ungewiss sind.

Meine Erfahrung hier im Besonderen ist auch, dass man relativ schnell merkt, ob wirklich etwas dahinter ist - oder ob nur mit sich selbst geworben wird.

Ein großes Problem ist das digitale Gold: die Daten.
Fertiglösungen sind oft nicht Hybrid: das heißt, dass sie eventuell nur On-Prem sind und Möglichkeiten in der Cloud nicht nutzen können - oder dass sie in der Cloud sind aber die Daten On-Prem evtl. technisch durch eine Direktverbindung anzapfen könnten; das Datenvolumen es aber einfach nicht in die Cloud schafft oder der Kunde eine Rohdaten Übertragung in die Cloud nicht erlaubt.
In der Regel überträgt man schließlich Betriebsrelevante Informationen - nicht nur ein simplen Temperaturwert.

Weiterhin haben die Fertiglösungen oft nur eingeschränkte Zugriffsmöglichkeiten auf die gesammelten Daten - und das ist Ihr Gold. Sie sind also nicht selten vom Hersteller direkt abhängig, wie und in welchem Umfang Sie auf Ihre Daten zugreifen können.

Und nicht nur die Daten: auch bei neuen Anforderungen, neuen Features sind Sie oft auf das Wohlwollen des Herstellers angewiesen und sowohl in Sachen Flexibilität, Preis und auch Art und Weise vom Hersteller abhängig.

Der große Gegensatz ist die Eigenentwicklung, die eben sehr gerne damit begründet wird, dass man sich nicht von anderen, wie eben einem Fertig-Plattformhersteller, abhängig machen will.

Dies ist ein sehr löblicher Grundgedanke, der allerdings nicht nur Vorteile sondern eben auch Nachteile mit sich bringt: Sie werden sich mit Dingen Beschäftigen, vor Hürden und Fragen stehen, die andere Bereits beantwortet und gelöst haben - und mindestens am Anfang auch erst mal langsamer sein und Infrastruktur aufbauen, bevor Sie sich anschließend auf Business Use Cases konzentrieren können.

Hinzu kommt, dass Sie für Pflege und Betrieb zu 100% in der Verantwortung stehen.

Überlegen Sie sich das gut, sofern Sie die Wahl haben, ob Sie sich solch ein Projekt leisten wollen - und leisten können: nur, weil man potentiell das Budget für ein Projekt hat, muss man auch Leute finden, die solch ein Projekt entwickeln, umsetzen und dauerhaft betreiben können.

Und das ist alles andere als einfach - und Experten sind rar und sind nicht unbedingt günstig.

Die letzte Möglichkeit ist hier das Mittelmaß: der Einsatz von Baustein-Lösungen. In diese Kategorie fallen vor allem die großen Cloud-Anbieter: Microsoft, Amazon, Google und Co.

Das heisst: Sie können sich auf Ihr eigentliches Business konzentrieren, Ihr Technologiepartner kümmert sich die Infrastruktur.
Und: Die Daten gehören in vollem Umfang Ihnen. Sie bestimmen an welcher Stelle Daten gesammelt werden, Sie bestimmen wie Daten gesammelt werden - und auch wie diese Daten übertragen und verarbeitet werden.

Sie bieten Ihnen Lösungen, die Ihnen zum einen die volle Flexibilität lässt und zum anderen die Kernthemen eines solchen Aufbaus allesamt beantwortet.

Diese Lösungen fokussieren alle Bereiche einer IoT-Lösung: beginnend vom Chip, On-Prem, Hybrid-Cloud und Cloud-Only und beachten unter allen Aspekten offene Standards, orientierten sich an offenen Protokollen und liefern Entwicklungsumgebungen und standardisierten Schnittstellen für eine große Anzahl von Programmiersprachen - ganz nach Ihrem Bedarf; und weit mehr als die allermeisten Plattform-Fertiglösungen.

Diese Baustein-Plattformen - nicht allein wegen dem großen Invest der großen Firmen hinter diesen - werden daher auch vom Markt zurecht oft als future-proof IoT Solutions wahrgenommen, was andere Plattformen erst noch unter Beweis stellen müssen; wobei zuletzt gerade bei den Fertiglösungen ja eine erste Konsolidierung am Markt stattgefunden hat.

Ein weiteres großes Plus ist die offene Kommunikation, eine zuverlässige Roadmap, klare Bekenntnisse zu Standards, aktive Mitarbeit, Gestaltung und Entwicklung an Foundations wie OPC-UA, Containertechnologien (OCI) oder auch der Open Manifacturing Platform (OPM) und eine einzigartig große Partnerlandschaft, die unterstützen können.

Empfehlungen

Meine persönliche, eindringliche Empfehlung ist, dass Sie sich ausreichend Zeit nehmen, um zu evaluieren, in welche Richtung Sie gehen wollen.
Überstürzen Sie keine Entscheidung, testen Sie ausreichend potentielle Kandidaten, stellen Sie kritische Fragen - besonders zu Standards, Schnittstellen und den Daten.

Ich bin der persönlichen Überzeugung, dass sich in vielen Jahren vor allem die Firmen durchsetzen werden, die über ausreichend individuelle Daten verfügen, um am Markt einen Unterschied zu machen und Services bieten, die auf solchen Daten basieren - und das auch noch schneller und stabiler als die Konkurrenz.

Hardware und Hardware-Feature sind meist keine ausreichenden Verkaufsargumente mehr: der Prozess und vor allem die Effizienzsteigerung sind der Schlüssel zum Erfolg.

Und daher bin ich der vollen Überzeugung, dass die Zukunft vor allem den Baustein-Lösungen gehört.
Vor allem Sie bieten individuelle Möglichkeiten Ihrer Anforderungen, absolute Kontrolle, was die Datensammlung, Datenkontrolle, Wartung und Ausbau der Zukunft angeht und nehmen dabei lästige Themen wie Security, Skalierung und technologische Weiterentwicklung ab - mit großen Unternehmen im Rücken.